Feministische Pionierinnen in Asien

Raden Adjeng Kartini

Raden Adjeng Kartini war eine der ersten Feministinnen Indonesiens. Sie wurde 1879 geboren und wuchs in einer aristokratischen Familie auf. Ihr Interesse am Feminismus wuchs durch Austausche von Briefen, die sie mit niederländischen Feministinnen wie Stella Zeehandelaar, der Autorin einer sozialistischen feministischen Zeitschrift, führte.


Durch diese Austausche drückte sie sich für den dekolonialen Feminismus und gegen Zwangsheirat, Polygamie und dem Patriarchat aus. In einer indonesischen Gesellschaft war eine gute Bildung für Frauen die einzige Chance sich zu emanzipieren. Für viele junge javanische Mädchen war auch Heiraten der einzige Ausweg, um einen Beruf zu erlernen und unabhängiger zu sein. Ihre Brieffreundschaften und der Einfluss der niederländischen feministischen Ideale hinderten sie allerdings nicht daran, sich kritisch gegenüber Kolonialisierung und westlichen Gesellschaften zu positionieren. Ganz im Gegenteil, für sie war klar: “wir können von der europäischen Welt nicht erwarten, dass sie uns glücklicher macht. Die Zeit ist schon lange um, in der wir ernsthaft glaubten, dass das Europäische die einzig wahre Zivilisation sei, das Höchste und unübertroffen”.


Nach der Theoretisierung ihrer feministischen Ideen eröffnete Kartini ihre eigene Mädchenschule. Im Jahr 1904 waren 120 Schülerinnen eingeschrieben, jedoch konnte Kartini ihre Arbeit nicht wie geplant fortsetzen, da sie noch im selben Jahr im Alter von 25 Jahren starb. In den folgenden Jahren nach ihrem Tod stieg die Zahl von 3.000 auf 8.000 Schülerinnen im ganzen Land, die innerhalb von drei Jahren auf der Insel Java und Madura eingeschrieben waren. Obwohl sie jung starb, trug Raden Adjeng Kartini viel zur Bildung der Mädchen bei.

Maria Lorena Barros

Maria Lorena Barros wird als charismatische Wortführerin, talentierte Dichterin und Schriftstellerin sowie als feministische Ikone erinnert. 1948 wurde sie in Baguio, im Nordwesten der Philippinen, geboren. Sie ist unter dem Namen „Laurie“ bekannt, den ihr ihre Mutter gab. Sie war eine hervorragende Studentin mit einem ausgezeichneten Bildungshintergrund. Im Gymnasium entdeckte sie ihre Leidenschaft für das kreative Schreiben, wofür sie auch eine besondere Auszeichnung erhielt. An der Universität führte Laurie ihre literarischen Aktivitäten fort, leitete einen Klub für Schriftstellerinnen und veröffentlichte ihre Arbeit in Topmagazinen.

Ende der 1960er Jahre wurde sie Englischlehrerin und engagierte sich in der Politik. Durch ihre regelmäßigen Reisen auf dem Land lernte sie die Folgen der Unterdrückung durch Kolonialisierung, Kapitalismus und Imperialismus besser zu verstehen. Gleichzeitig führte das zunehmende politische Bewusstsein im ganzen Land zu Demonstrationen gegen die Regierung unter Ferdinand Marcos.

In diesem Zuge beschlossen Laurie und andere Aktivistinnen eine Organisation zu gründen, die „sich besonders mit den Frauenthemen in einer halb feudalen, halb kolonialen und patriarchalischen philippinischen Gesellschaft auseinandersetzen“. Im April 1970 wurde daraufhin die Organisation Makibaka mit Einheiten in Städten, Dörfern, Fabriken und auch in Schulen für junge Mädchen gegründet. Zwei Jahre später erklärte Ferdinand Marcos das Kriegsrecht. Laurie, die wie viele andere studentischen Aktivistinnen wegen Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt angeklagt wurde, tauchte unter, da sie gesucht wurde. 1973 wurde Laurie verhaftet und inhaftiert. Ein Jahr später flüchtete sie jedoch aus dem Rehabilitationszentrum, in dem sie gefangen gehalten wurde.


Ihre Entschlossenheit war zu dem Zeitpunkt stärker als zuvor. Sie tauchte wieder ab und kämpfte gegen die Diktatur an, indem sie Gedichte, Essays und Lieder schrieb. Währenddessen versprach die Regierung eine Belohnung für ihre Verhaftung. Als sie im März 1976 mit einer schweren Verletzung festgenommen wurde, zog sie es vor, noch eher für ihre Ideale zu sterben als mit der Regierung zusammenzuarbeiten.

Qiū Jǐn

Qiū Jǐn war eine revolutionäre feministische Dichterin. Sie wuchs in einer wohlhabenden Familie auf und verbrachte ihre Zeit damit Literatur aus dem Ausland zu lesen. Nachdem sie den Sohn eines Kaufmanns heiratete, zog Qiū nach Peking, beschloss aber bald, ihr Leben zu ändern. Sie verließ ihren Mann und ihre Kinder, verkaufte ihren Schmuck und ging zum Studium nach Japan. Während ihres Aufenthalts in Japan engagierte sie sich in politischen Aktivitäten. Qiū gründete die erste Vereinigung chinesischer revolutionärer Frauen in Japan, um gegen die Mandschu-Dynastie zu kämpfen und für die Emanzipation der chinesischen Frauen.


Eines ihrer autobiografischen Werke befasst sich mit der Unterdrückung, Ausbeutung und Sklaverei von chinesischen Frauen während der Mandschu-Herrschaft. Die Themen portraitierten fünf Frauen, die ihren Alltag entkamen, um in Japan zu leben und sich politisch zu engagieren. Diese Arbeit brachte Qiūs politische Meinungen und ihren Widerstand gegen die Mandschu-Herrschaft klar zum Ausdruck. Im Jahr 1907 wurde sie aktiv und versuchte mit ihrem Cousin einen Aufstand gegen die damalige Regierung zu machen, die von einer Mandschu-Königsfamilie regiert wurde. Qiū wurde verhaftet und hingerichtet.

Ihre Themen konzentrieren sich auf ihr literarisches Werk, Feminismus und Patriotismus. Neben der Befürwortung der Ehefreiheit für Frauen und der Abschaffung der sogenannten Lotusfüße (eine Praxis, in der die Füße von Frauen zur Aufrechterhaltung eines Schönheitsideals eingebunden und die Knochen gebrochen wurden) führte Qiū ein Leben, das für die damalige Zeit unkonventionell war. Sie verließ ihren Mann und ihre Kinder, engagierte sich in der Politik, trank Alkohol und kleidete sich gelegentlich wie ein Mann. Ihr Lebensstil und ihre Überzeugungen standen beispielhaft für das, wofür Qiū kämpfte: für Wahlfreiheit und für die Emanzipation der Frau.

Che Zahara Binte Noor

Che Zahara Binte Noor in ihre Anlaufstelle

Che Zahara Binte Noor war eine führende Frauenrechtsaktivistin in Singapur. Die Nachkriegszeit war der Beginn ihrer Karriere im Aktivismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten viele verwitwete Frauen als Prostituierte arbeiten, um zu überleben. Che Zahara beschloss daraufhin, mehr als 300 Frauen und Kriegswaisen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion in ihr Haus aufzunehmen. Dank der Spenden, die sie aus der ganzen Welt erhielt, gestaltete sie ihr Haus in eine Anlaufstelle um und benannte sie The Malay Women’s Welfare Association, in dem Frauen Fähigkeiten erlernen konnten, die ihnen halfen, einen besseren Lebensunterhalt zu sichern.


Neben ihrer Anlaufstelle engagierte sich Che Zahara auch für verschiedene andere Zwecke, zum Beispiel für die Erhöhung des gesetzlichen Mindestheiratsalter von 9 auf 16 Jahre. 1955 nahm sie als Vertreterin Singapurs am Weltkongress der Mütter in Lausanne teil. Sie nutzte diese Gelegenheit ebenfalls, um internationale Unterstützung zu erhalten. 1961 trug sie zur Verabschiedung der Charta der Frauenrechte durch das singapurische Parlament bei. Sie starb im folgenden Jahr.

Takamure Itsue

Takamure Itsue trug viel zur Entwicklung der feministischen Studien in Japan bei. Sie wuchs in den Vorstädten von Kumamoto in einer Familie der Mittelschicht auf. Im Jahr 1917 begann sie ihre Karriere als Lehrassistentin an der Schule ihres Vaters und arbeitete kurzzeitig für eine Lokalzeitung. Drei Jahre später beschloss sie, nach Tokio zu ziehen und dort ihre Karriere als feministische Dichterin fortzusetzen. Im Jahr 1925 wurde Takamure kontrovers diskutiert, als sie ihren Mann für einen Anderen verließ. Als Antwort auf die Kontroverse schrieb sie ein Gedicht mit dem Titel “Ie de no shi” (“Verlassen des Hauses”):

People consider what
I have done
In terms of reproach and criticism.
For parents and seniors, there is
Shame, disappointment, disillusionment.
But I must declare this now:
All the things that I have done are
All the things that we women must do.
People are not stinting
In sympathy for women;
But they know not
Women’s emotions or necessity.
Emotion is reality.
And reality is evolving forward.
The reality that is evolving forward
Is creating new thoughts and a new age.
In order to create the new age
We must fight all our soiled names and misunderstandings;
We must unceasingly explain that what we are doing is right

In ihrem ersten Prosagedicht mit dem Titel “Ren’ai sо̄sei” (“Genesis of Love”) forderte Takamure die Abschaffung der Institution der Ehe, eine stärkere soziale Unterstützung für Frauen und Kinder und allgemein die Emanzipation der Frauen in Japan. Mit dem Gedicht begann sich Takamure mit feministischen Studien zur japanischen Geschichte zu beschäftigen.


Durch ihre Gedichte und Forschungen zeigte Katamure, wie das System der Männerherrschaft in der japanischen Gesellschaft bereits aus der Geschichte hervorgeht. Beispiele hierfür sind “Bokeisei no kenkyū” (“Untersuchung von matrilinearen Systemen”), “Nihon kon’in shi” (“Die Geschichte der Ehe in Japan”) und “Josei no rekishi (“Die Geschichte der Frauen”). Bis zu ihrem Tod im Jahr 1964 widmete sie sich der Geschichte der Frauen. Katamures Arbeit war für den Aufbau der feministischen Bewegung in Japan von großer Bedeutung.

Meena Keshwar Kamal

Meena Keshwar Kamal war eine feministische Aktivistin aus Pakistan. Während ihrer Schulzeit engagierte sich Meena schon früh im sozialen Aktivismus. Mit dem Ziel, den afghanischen Frauen eine Stimme zu geben, gründete sie im Jahr 1977 Rawa, die Revolutionäre Vereinigung der Frauen in Afghanistan (Jamiat-e-Inqalabi Zanan-e Afghanistan) und die älteste politisch-soziale Organisation afghanischer Frauen für Frieden, Freiheit, Demokratie und Frauenrechte.


Meena arbeitete weiterhin in Pakistan, wo sie Schulen für geflüchtete Kinder, ein Krankenhaus für afghanische Soldaten und Kunsthandwerkszentren für geflüchtete afghanische Frauen in Pakistan zur finanziellen Unterstützung errichtete.
1981 gründete Meena Payam-e-Zan, eine zweisprachige (englisch-afghanische) feministische Zeitschrift, um die sozialen Probleme der afghanischen Gesellschaft schriftlich festzuhalten. Am 4.Februar 1987 wurde Meena zusammen mit zwei weiteren Familienmitgliedern in ihrem Haus ermordet. Eines ihrer berühmten Gedichte, „I’ll Never Return“, erinnert an ihre Freiheit und ihr Engagement für soziale und feministische Themen.

I’m the woman who has awoken I’ve arisen and become a tempest through the ashes of my burnt children I’ve arisen from the rivulets of my brother’s blood My nation’s wrath has empowered me My ruined and burnt villages fill me with hatred against the enemy, I’m the woman who has awoken, I’ve found my path and will never return. I’ve opened closed doors of ignorance I’ve said farewell to all golden bracelets Oh compatriot, I’m not what I was I’m the woman who has awoken I’ve found my path and will never return. I’ve seen barefoot, wandering and homeless children I’ve seen henna-handed brides with mourning clothes I’ve seen giant walls of the prisons swallow freedom in their ravenous stomach I’ve been reborn amidst epics of resistance and courage I’ve learned the song of freedom in the last breaths, in the waves of blood and in victory Oh compatriot, Oh brother, no longer regard me as weak and incapable With all my strength I’m with you on the path of my land’s liberation. My voice has mingled with thousands of arisen women My fists are clenched with the fists of thousands compatriots Along with you I’ve stepped up to the path of my nation, To break all these sufferings all these fetters of slavery, Oh compatriot, Oh brother, I’m not what I was I’m the woman who has awoken I’ve found my path and will never return.

Pandita Ramabai

Pandita Ramabai war für ihre Zeit eine unkonventionelle Sozialreformerin und Feministin. Sie lernte schon früh Sanskrit, heiratete jemanden, der nicht ihrer Kaste angehörte und konvertierte zum Christentum. Pandita wuchs in einer Brahmanen-Familie auf, in der Erziehung sowohl für Mädchen als auch für Jungen zwar wichtig war, aber gleichzeitig auch nicht gern gesehen. Als Folge davon wurde sie aus ihrem Dorf in der Region Karnataka geächtet und zum Nomadentum gezwungen. Aufgrund einer Hungersnot verlor Pandita 1874 ihre Eltern und beschloss folglich, mit ihrem Bruder nach Kalkutta zu gehen. Da ihr Wissen über die Puranas, die heilige Schriften des Hinduismus, sehr beeindruckend war, erhielt sie später den Titel “Pandita”, welchen man als “Gelehrte” übersetzen könnte.

Dank dieses Titels reiste sie durch das ganze Land, um selbst Unterricht zu geben. Pandita wurde sich der Situation der Frauen bewusst und widmete ihr Leben der Verbesserung derer Lebensbedingungen. Sie gründete Frauenorganisationen im Bundesstaat Bombay und setzte sich für die Bildung von Frauen ein. Außerdem veröffentlichte sie das Buch “Shri Dharma Neeti”, in dem sie die Emanzipation der Frauen und verbotene traditionelle Praktiken erörterte. 1883 ging Pandita ins Ausland; sie besuchte einige Länder wie England und Kanada und lebte zwei Jahre lang in den Vereinigten Staaten. 1889 kehrte sie nach Indien zurück und gründete Sharada Sadan, ein Heim für benachteiligte Menschen. Das Heim rettete das Leben Tausender Kinder und Frauen vor der Hungersnot im Bundesstaat Maharashtra im Jahr 1896. 1900 waren dort mehr als 1500 Einwohner untergebracht. Pandita wurde 1919 für ihre Verdienste mit der Kaiser-I-Hind-Medaille belohnt. Sie starb 1922.

Feministische Pionierinnen in Asien

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