Der Völkermord an den Herero und Nama – Das war ein Völkermord, keine ‚Niederschlagung‘

Das erste Mal, dass ich vom Völkermord an den Herero und Nama hörte, war in meiner Teenagerzeit. Mit meinen Bekannten und Freunden aus der Highschool haben wir damals tiefe Gespräche über viele Themen geführt, unter anderem auch über die Kolonisation. In Deutschland herrscht erst einmal Schweigen. Da ich gerade für 4 Jahre in Deutschland lebe, kann ich sagen, dass Scham und Schweigen die deutsche Kolonialgeschichte umgeben, die aus dem Gedächtnis der Gesellschaft gestrichen wurde.

Der Ursprung des Völkermordes an den Herero und Nama

Das koloniale Projekt

Von 1884 bis 1919 herrschte deutsche Kolonialherrschaft und Unterdrückung über viele Länder der Welt. Der Minderwertigkeitskomplex trieb die Deutschen dazu, zum Besitz von Territorien auf dem afrikanischen Kontinent. In 1884, kolonisierten die Deutschen einige afrikanischen Ländern, wie Südwestafrika das heutige Namibia. Spannungen und Rivalitäten erleichtern die deutshe Herrschaft. In dieser Zeit, gehören die Herero und Nama zur größten Ethnien und manche Herero-Chefs die Herrschaft über die Nama-Chefs wollten. Als Folge, schlossen die Herero-Chefs und die Deutschen. Auf der anderen Seite, wurde, Hendrik Witbooi, ein Nama-Chef, zu einem Vertrag mit den Deutschen gezwungen, nachdem Deutsche eines seiner Hauptdörfer, Hornkranz, angegriffen und dabei 80 Menschen getötet hatten.

witbooi - hendrik
Hendrik Witbooi

Alle Formen der Gewalt wurden zur Unterdrückung der Herero und Nama eingesetzt

Je mehr weiße deutsche Kolonisten nach Südwestafrika kamen, desto mehr Einheimische wurden von ihrem Land enteignet. Das Ziel war es, Südwestafrika als weiß besiedelte Kolonie zu etablieren. 1897 pfarchten die ersten Reservate die Nama ein. Neben den Reservaten verschlimmerte sich die Situation durch die Rinderpest, die die Bevölkerung und zwei Drittel ihrer Herden betraf. Die Repressionsmaßnahmen der Deutschen gingen weiter mit der Beschlagnahme von Land, Vieh und dem Einpferchen der Herero in Reservate.

Vergewaltigungen, Tötungen, Plünderungen, Enteignungen von Land, Rinderpest, Reservate, sorgten für Wut unter den Einheimischen. Aus diesem Grund, rebellierten die Herero ab Januar 1904, unter der Führung des Chefs Samuel Maharero mit der Sabotage der Bahnstrecken und dem Niederbrennen der Bauerhöfe. Die Aufstände werden zum Anlass für einen Völkermord an den Herero und Nama. Unter der Führung des Generals Lothar von Trotha, kamen die Koloniale Truppen in Suüdwest Afrika an. Er war bekannt für seine grausamen und unmenschlichen Methoden.

Das einzige Ziel ist die Ausrottung der Herero und Nama

Der Sieg war nicht das Ziel sondern die Ausrottung der Herero und Nama, ausdrücklich gesagt vom General Lothar von Trotha in seinem Vernichtungsbefehl, belohnte mit 1000 Mark für jede Person, die einen Herero auslieferte und 5000 Mark für den Herero-Chef, Samuel Maharero. Die Herero und Nama mussten verschwinden oder sterben. Da nicht alle von seinen Methoden überzeugt waren, argumentierte weiter und verteidigte den Völkermord insbesondere in seinem Brief an den Chef des Imperialen Generalstabes.

Die Herero und Nama hatten daher keine andere Wahl als zu fliehen, und viele zogen durch die Omaheke-Wüste, wo die wichtigsten Brunnen von den Deutschen vergiftet wurden.

Die Überlebenden wurden gefangen genommen, in Konzentrationslager eingesperrt und versklavt. Sie waren allen Formen von Gewalt ausgesetzt, Vergewaltigung, Unterernährung, zu Tode geprügelt, alle Formen von unvorstellbarer und unmenschlicher Gewalt.Die Leiche der Herero und Nama aufgrund des Ziels der „medizinischen Forschung“ verwendet. Tatsächlich, so ein Cairn-Artikel, verwies „Dr. Carla Krieger Hinck in ihrer Doktorarbeit auf den Versand von Herero-Schädeln an die Universitäten von Breslau (Wroclaw) und Berlin. Viele erhängte Leichen von Herero und Nama wurden ebenfalls zum Sezieren nach Deutschland geschickt“.

Credit: AFP PHOTO/ HO/ NATIONAL ARCHIVES OF NAMIBIA

Die Auflösung des Konzentrationslagers im Jahr 1908 kam nicht mit Freiheit und Menschenwürde für die Herero und Nama gleich. Die Herero und Nama waren in verschiedlichen Bauerhöfe geteilt. Sie tragten eine Metallscheibe mit ihrer Identifikationsnummer am Hals. Noch im selben Jahr werden ‚interracial Ehen‘ verboten oder annulliert. Den betroffenen Deutschen werden die Bürgerrechte entzogen. Die Zahl der Opfer dieses Völkermordes ist leider unbekannt. Schätzungsweise 20.000 bis 85.000 Herero und etwa 7.000 bis 11.000 Nama wurden getötet. Ein Völkermord, der ein paar Jahrzehnte später an die Shoah erinnert.

Entschuldigungen und Reparationen

Wenn es um die Kolonialgeschichte geht, wie viele Kolonisatorenländer hatte auch Deutschland lange Zeit eine Amnesie. Herero-Chef kämpft seit den 1990er für die Zahlung der Reparationen. Ein Jahrzehnt später, im Jahr 2001, wird die Reparationsklage eingereicht. Allerdings zögerte die deutsche Regierung lange, die koloniale Vergangenheit wiederwecken. Entweder Entschuldigungen oder Entschädigungen wurden von deutscher Seite überhaupt nicht in Betracht gezogen, bis 2004, als sie sich zum ersten Mal entschuldigten. „Wir Deutschen akzeptieren unsere historische und moralische Verantwortung und die Schuld, die Deutsche damals auf sich geladen, sagte in 2004, Heidemarie Wieczorek-Zeulmarie, die Entwicklungsministerin“, zum 100 Jahrestag der Schlacht am Waterberg.

Namibia und Deutschland verhandeln seit 2015 und es ist immer noch schwierig, einen Mittelweg zu finden. Die Namibier betonen die Bezeichnung „Reparationen“, während die Deutschen lieber von „Versöhnung“ sprechen. Zudem sehen sich nicht alle Nachfahren der Opfer des Völkermordes an den Herero und Nama in den Verhandlungen vertreten. Der andere Streitpunkt betrifft die Entschädigungen. Im Sommer 2020 lehnte der namibische Präsident Hage Geingob ein Entschädigungsangebot Deutschlands in Höhe von zehn Millionen Euro ab, weil er es für inakzeptabel hielt.

Die Verhandlungen müssen weitergehen, um sicherzustellen, dass der Völkermord in Erinnerung bleibt, in den Schulen gelehrt wird und dass die Nachkommen der Opfer und das namibische Volk einen Hauch von Frieden finden können.

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Zeit Geschichte – Die Deutschen und Ihre Kolonien, das wilhelminische Weltreich 1884 bis 1918

Le génocide des Herero, symptôme d’un Sonderweg allemand? -Joël Kotek

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